Ein vergessen geglaubter Roman ist wiederentdeckt
„Soldaten Merkurs“ – Werden, Bestehen und Vergehen eine Firma
Das sich hinter diesem Buchtitel ein Stück Glauchau Textilgeschichte verbergen könnte, ist aus dem Titel des Buches nicht ersichtlich. Vielleicht ist dies einer Gründe dafür, warum der von Peter Keller geschriebene Roman in Vergessenheit geriet, obwohl er früher ist fast jedem Glauchauer Buchregal zu finden gewesen sein soll.
So beschreibt es Dr. Otto-Heinrich Elias, der am 23.04. 2009, anlässlich des Welttages des Buches, in der Stadt- und Kreisbibliothek Glauchau über diesen Roman und seine Verbindung zur Glauchau Textilindustrie referierte. Sehr anschaulich und nachvollziehbar, für die über 70 interessierten Bürger unserer Stadt, welche der Einladung in die Bibliothek gefolgt sind, stellte er dar, dass sich hinter den Romanfiguren die Gründer der Weberei Bößneck aus Glauchau verbergen.
Die Person des Peter Keller, Autor des Buches, ist ein Pseudonym. In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter Peter Kurnik, ein Mitbegründer der Weberei Bößneck. Ohne dass jemals der Name „Glauchau“ im Roman zu finden ist, konnte Dr. Elias Parallelen zur Stadt, den Fabrikgebäuden und Villen sowie den umliegenden Orten herstellen. Herr Schleife vom Denkmalverein Glauchau e.V. rundete diesen überaus interessanten Abend mit Bildern ab, die sowohl die Örtlichkeiten in Glauchau erlebbar machten und zugleich anhand von Fotografien Musterbücher zeigte, welche belegen, wie vielfältig und international schon zu dieser Zeit die Glauchauer Textilindustrie entwickelt war.
Darüber hinaus bietet der Roman aber auch Einblicke in das schwere Leben der Weber. Er schildert ihre Arbeitswelt und ihre Bemühungen um gerechte Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen. Zusammenfassend beschrieb Dr. Elias, selbst gebürtiger Glauchauer, dass der Romans viel mehr ist als ein Unterhaltungsroman. Für ihn ist er eine kritische Wirtschaftsgeschichtsschreibung, die sowohl die Tätigkeiten der Fabrikanten und Unternehmer darstellt, gleichzeitig aber auch das Leben der Weber widerspiegelt. Doch wer sind nun die „Soldaten Merkurs“? Merkur, so erklärte Dr. Elias, ist der Gott der Händler und im Griechischen ist es Hermes, der Schutzgott der Kaufleute. In diese Gefolgschaft begaben sich die Glauchauer Textilfabrikanten. Noch heute kann man die Figuren an vielen Bößneck-Bauwerken der Stadt sehen.




